Das ABC von Energiewende- und Grünsprech 83: Blackout

Das Stromnetz in Deutschland wird durch die Energiewende an den Rand seiner Kapazität gebracht. Das bedeutet gerade im Januar ein großes Risiko für alle, die nicht darauf vorbereitet sind. Also für fast alle von uns.

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Täglich werden wir mit Begriffen konfrontiert, die im Ergebnis einer als „alternativlos“ gepriesenen Energiewende verwendet werden oder durch sie erst entstanden sind. Wir greifen auch Bezeichnungen auf, die in der allgemeinen Vergrünung in den Alltagsgebrauch überzugehen drohen – in nichtalphabetischer Reihenfolge.

B wie Blackout, der

Schaut man in diesen kalten Tagen aus dem Fenster, verdrängt man den Gedanken an einen Stromausfall schnell. Zu unangenehm sind die Vorstellungen zum „was wäre, wenn…“. Kälte und Dunkelheit waren schon immer große Feinde des Menschen. Dabei ist die Situation ausgefallener Versorgung von Licht und Wärme in unserem hochtechnisierten Land weitgehend unbekannt. Die allermeisten Menschen stünden ihr im häuslichen Umfeld wie auch in Betrieben und Institutionen weitgehend hilflos gegenüber, im Gegensatz zu vielen Menschen in der Dritten Welt, wo es zuweilen täglich zu Abschaltungen kommt, auch im Gegensatz zu unseren Kriegs- und Nachkriegsgenerationen, die damit umzugehen wussten. Dennoch ist der Blackout möglich und heute wahrscheinlicher als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.

Ursprünglich stammt das Wort aus der Theaterwelt, wo das schlagartige Verlöschen der Bühnenbeleuchtung einen gewünschten dramatischen Effekt hervorruft, weil die Zuschauer im Dunkeln sitzen und die Augen sich nicht so schnell an die geringe Resthelligkeit anpassen können. Auch der kurzzeitige Erinnerungsverlust, manchmal auch „Aussetzer“ oder „Filmriss“ genannt, ist hier nicht gemeint. Die Situation, wenn einem zum Beispiel vor dem Geldautomaten kurzzeitig die PIN nicht mehr einfällt, oder in einer Rede der Faden weg ist, wird vielen bekannt vorkommen.

Heute gibt es eine erste andere Assoziation, nämlich der plötzliche, vorher äußerlich nicht absehbare regionale oder flächendeckende Stromausfall. Die meisten von uns kennen einen Stromausfall nur als „Wischer“, wenn das Licht flackert, oder infolge von Störungen im Verteilnetz, wobei Bodo mit dem Bagger den klassischen Verursacher gibt. Statistisch sind wir in Deutschland mit etwa 15 Minuten Ausfallzeit an der Weltspitze. Der Nachteil dieses hohen Niveaus ist, dass sich niemand einen länger andauernden stromlosen Zustand mehr vorstellen kann und kaum jemand darauf vorbereitet ist.

Der neue Blackout auf unserer ganz privaten Bühne

Um den Blackout zu erklären, müssen wir zunächst das Funktionsprinzip unserer Versorgungsnetze betrachten. Stromquellen bilden vor allem Generatoren von Kraftwerken, deren Rotoren sich mit 3.000 Umdrehungen pro Minute bewegen, das sind 50 Umdrehungen pro Sekunde. Durch magnetische Felder und die Wirkung des Induktionsgesetzes entsteht Drehstrom in Form dreier um 120 Grad versetzter Sinuskurven, daraus ergibt sich die maßgebende Frequenz an Schwingungen von Strom und Spannung pro Sekunde, also 50 Hertz. Über Transformatoren hoch- und herunter gespannt ergeben sich die Spannungsebenen, mit denen die einzelnen Verbraucher versorgt werden. Wichtigster Parameter eines gut funktionierenden Netzes ist die Frequenz, die man beispielsweise hier live verfolgen kann.

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