Solche Gestalten kann man
mit ruhigen Gewissen ignorieren

 

J.Damm

Nelson Müller

Ausgerechnet der vom TV gehätschelte Afrikaner Nelson „Müller“ ernennt Schalke-Boss Clemens Tönnies verblümt zum Nazi. Kaum einer weiß, dass Müller eigentlich Nukator heißt…

 

Von MARIA SCHNEIDER *

11. August 2019

Von Afrikaner zu Afrikaner …

 

Es ist wieder passiert: Ein alter, weißer Mann hat es gewagt, die Wahrheit zu sagen. Tönnies’ Aussage, statt Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika zu inanzieren, hätten die Inquisitoren vielleicht noch durchgehen lassen. Seinen Nachsatz nicht: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“. Und so ließen sie den Hexenhammer krachen. Seitdem lodern die Flammen des virtuellen Scheiterhaufens um ihn …

Dabei kann die Autorin bestätigen, dass Herr Tönnies nichts Falsches gesagt hat, besuchte sie doch selbst vor 10 Jahren eine Pressekonferenz der katholischen Kirche, bei der ein afrikanischer Bischof sagte: „Many young African people are outside in the streets at night and feel bored. So, just to make time go by, they have sex without condoms.” (Viele afrikanische Jugendliche sind nachts draußen auf den Straßen und langweilen sich. Daher haben sie zum Zeitvertreib ungeschützten Geschlechtsverkehr.)

Noch bevor die deutsche Übersetzung zu Ende war, sprang die katholische Pressereferentin auf und informierte das Publikum, dass die Übersetzung der Dolmetscherin falsch sei. Der Bischof ließ sich diese Aussage rückübersetzen und bestätigte zwar nochmals seine ursprüngliche Aussage, was allerdings im allgemeinen Tumult unterging.

Weisheiten eines Schwarzen

Warum darf man die Wahrheit nicht sagen? Oder dürfen das nur Afrikaner, so wie nur Blondinen Witze über Blondinen machen dürfen? Wäre das nicht auch irgendwie rassistisch? Wie dem auch sei – offenbar fühlte sich ein Herr Müller kraft seiner Herkunft dazu berufen, den „Ketzer“ Tönnies zu kritisieren. Der FOCUS: „Sternekoch Nelson Müller (40) findet die Äußerungen des Fleischunternehmers und Schalke-Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies über Afrikaner entlarvend. „Ich finde es gut, dass diese Aussagen gefallen sind.“ Dadurch komme „das Gedankengut vieler“ an die Oberfläche. (…)

„Wir haben ja ein Grundgesetz. Mit solchen Aussagen wird immer wieder bewiesen, dass viele es einfach nicht verstanden haben. Will sagen: Die Leute brauchen scheinbar mehr Wissen und vielleicht braucht Herr Tönnies ja eine Weiterbildung.“ Jemand wie er, der auf der privilegierten Seite des Lebens stehe, könne dadurch nur profitieren“ und „mit dem neuen Wissen viel bewegen“, so Müller weiter.“

Merke: Herkunft und Hautfarbe dürfen nur dann ins Spiel kommen, wenn die Person der jeweiligen Herkunft es will und wenn es zweckdienlich ist. Ansonsten muss man sich in Farbenblindheit üben … Fragen: Wie „profitiert“ Herr Müller von dieser Belehrung, wenn er gekonnt auf der Welle des Rassismus gegen alte, weiße Männer reitet? … Werden sich seine Einschaltquoten für seine GEZ-finanzierten Kochshows erhöhen? … Wird die Bahn ihn nochmals – ein Baguette mampfend – für ihre Multikultiwerbung oder Siemens vielleicht gar für antirassistisches Kochgeschirr – engagieren? Klar, wie Kloßbrühe (um beim „Kochen“ zu bleiben: Der Herr Müller – seinerseits durchaus nicht unterprivilegiert – wird so oder so „profitieren“.

Müller? Nukator!!

Schon jetzt: Die Sommerpause seines Restaurants „Die Schote“ endet heute, Sonntag. 10. August. Die FOCUS-Story ist natürlich reiner Zufall. Aber mit „Geschmäckle“, wie es der Stuttgarter Cookie mit ghanaischen Wurzeln ausdrücken würde. Denn eigentlich heißt das Kerlchen mit dem Kugelkopf Nelson Nukator, wurde im bitterarmen Ghana geboren und kam als Vierjähriger nach Deutschland. Seine Eltern gaben ihn in eine Tagespflege und ließen ihn dann beim Umzug einfach zurück. Seitdem wuchs er bei Pflegeeltern auf, die sich erbarmten, ihn sogar adoptieren.

Da der Herr Nukator selbst auf seine Herkunft Bezug nahm, muss ein Vergleich zwischen seinem Leben in Germoney und dem eines Durchschnitts-Ghanaers erlaubt sein. Angesichts der glücklichen Fügung, von einem Leben in Deutschland „profitiert“ zu haben, ist der Herr Nukator um Lichtjahre privilegierter als seine Landsleute. Sogar privilegierter als der Herr Clemens Tönnies (63).

Allerdings wird die Tatsache, dass es der Nukator aus Afrika dank seiner Erhebung in den deutschen Adelsstand derer von Allerwelts-Müller verdammt gut getroffen hat und sich in Dankbarkeit statt in Belehrungen üben sollte, nicht thematisiert. Hier greift wieder die Farbenblindheit. Aber – Hand auf’s Herz: Wer will schon Herrn Tönnies auf dem Scheiterhaufen Gesellschaft leisten?

Was hat der Herr für Ghana getan?

Hat Herr Müller seine Privilegien dazu genutzt, die Armut in seinem Heimatland zu lindern? Hat er versucht, Flüchtlingen auch ein privilegiertes Leben zu ermöglichen? Also welche Motive stehen hinter seinen Aussagen? Die Vermutung liegt nah, dass eher kommerzielle und egoistische, denn humanistische Motive vorliegen, wenn er Herrn Tönnies durch den Begriff „Gedankengut“ einem Nazi gleichstellt, damit zu seiner gesellschaftlichen Vernichtung beiträgt.

Dass manche seine Belehrungen als Opportunismus und risikofreie Selbstvermarktung werten werden, wird er wohl erst nach einer „Weiterbildung“ in Menschlichkeit und Demut verstehen. Also wahrscheinlich nie. Den Worten Taten folgen lassen würde allerdings die Glaubwürdigkeit erhöhen. Und der Herr Müller könnte die bösen Vermutungen entkräften und einen Beleg für die Wahrhaftigkeit seiner Stellungnahme liefern, wenn er einen Flieger besteigen und mit dem südafrikanischen Präsidenten Ramaphosa von Afrikaner zu Afrikaner, von Privilegiertem zu Privilegiertem eine Unterhaltung über „Gedankengut“, „Grundgesetz“ und Rassismus gegen weiße Farmer führen würde – verständlicherweise erst nach der Eröffnung seines Restaurants, wenn der Ansturm seiner Unterstützer abgeklungen sein wird.

Die Autorin wäre die Erste, die ihm freudig zum Abschied nachwinken würde.

*Maria Schneider ist freie Autorin. Besonders liegen ihr die Opfer der importierten Gewalt am Herzen. Sie schreibt ihre Geschichten auf, um ihnen eine Stimme zu geben. Kontakt für Opfergeschichten und Anregungen: Maria_Schneider@mailbox.org

Da Maria Schneider ihre Person schützen will/muß haben wir als Autorenfoto die französische „Marianne“ gewählt (von Maria und Anna, ursprünglich hebräisch „Mirjam“, was so viel wie „widerspenstig“ bedeutet). Der Romantiker Eugène Delacroix hatte „Marianne“ in Öl zur Nationalheldin verewigt: Barbusig. Barfüßig. Barrikaden. Parole: „Freiheit führt das Volk“. König Karl X hatte Parlament und Wahlrecht so gut wie abgeschafft, Pressezensur befohlen. Am 27. Juli 1830 ging das Volk auf die Strasse – 31 Jahre nach der großen Französischen Revolution. Bürger, Arbeiter, Studenten, alle für die Freiheit. Drei Tage später floh der König nach England …

So einfach war das alles mal …